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Missverständnisse

Missverständnisse

Wie viele Stunden des Tages verbringst du tatsächlich mit echten Glücksgefühlen? Was schätzt du?

Die meisten Menschen kommen nicht einmal auf eine halbe Stunde pro Tag!

Stell dir bitte mal folgende Situation vor: Du bist gestorben und stehst nun vor der Himmelstür. Petrus kommt dir entgegen und eröffnet dir, dass er dich leider nicht reinlassen kann. Nicht bevor du nicht gelernt hast, alles Positive in deinem Leben wirklich wahrzunehmen und wertzuschätzen. Schließlich willst du in den Himmel und da sollte man das Positive schon wertschätzen können!

Petrus gibt dir also noch eine letzte Chance. Du darfst eine Woche zurück in dein Leben, um zu beweisen, dass du alles Positive in deinem Leben wirklich zu schätzen weißt. Wie viele Stunden pro Tag würdest du in dieser Woche mit dem Wahrnehmen von Positivem und damit mit Glücksgefühlen verbringen?

24 Stunden, oder?! Und wieso kamst du dann bisher nur auf eine halbe Stunde pro Tag?

Die Standardantwort auf diese Frage lautet: Weil es ständig etwas Negatives gab, was man vermeiden oder bekämpfen musste.

Ich habe in meinem letzten Glückstipp (Realitätsgestaltung Teil 3) sehr ausführlich über die vier Negativmodi Kampf-, Flucht-, Vermeidungs- und Todstellmodus berichtet. Diese Negativmodi werden durch unsere Beurteilungen aktiviert.

Beurteilen wir etwas als Gefahr, finden wir uns innerhalb weniger Augenblicke im Fluchtmodus wieder, was sicherlich nicht immer sinnvoll ist. Ich erinnere an das Beispiel mit der mündlichen Prüfung. Wenn wir hier die Gefahr sehen, dass wir durchfallen könnten, bringt unser Emotionalgehirn uns in den Zustand, der für Gefahren seit Millionen von Jahren vorgesehen ist: in den Fluchtmodus. Unsere geistige Leitungsfähigkeit wird in diesem Modus so stark runter gefahren, dass wir nicht mehr klar denken können. Wir sollen ja auch nicht denken, wir sollen weglaufen!

Beurteilen wir etwas als negativ, wird unser Emotionalgehirn uns sofort in den Kampfmodus bringen, um das Negative zu bekämpfen. Welche Auswirkungen das innerhalb einer Partnerbeziehung haben kann, habe ich in meinem letzten Glückstipp beschrieben.

Wir bekämpfen jedoch nicht nur die Menschen, die wir eigentlich lieben, sondern auch leblose Gegenstände wie Computer, die gerade abgestürzt sind, wir bekämpfen schlechte Gefühle, was sie natürlich noch schlechter macht, wir bekämpfen unsere Lebensumstände, als könnten wir das Soll auf unserem Bankkonto durch Ablehnung vertreiben.

Die meisten Menschen verbringen den überwiegenden Teil des Tages im Kampfmodus, was nicht nur sehr unglückliche Gefühle nach sich zieht sondern auch erhebliche Nachteile in allen zwischenmenschlichen Bereichen.

Beurteilen wir uns als machtlos, bringt unser Emotionalgehirn uns in den Todstellmodus. Das kann ziemlich übel ausgehen, wenn wir gerade am Steuer unseres Autos sitzen und anstatt eine Vollbremsung zu machen, uns nicht mehr bewegen können. Das Gefühl der Machtlosigkeit ist jedoch auch in allen anderen Lebensbereichen eine totale Erfolgsbremse. Es wäre also ratsam, diesen Modus nur dann zu aktivieren, wenn er wirklich sinnvoll ist. Genauso sieht es mit den anderen Überlebensmodi auch aus.

Der Kampfmodus macht nur Sinn, wenn du tatsächlich körperlich kämpfen musst. Der Fluchtmodus macht nur Sinn, wenn du wirklich vor einem wilden Tier weglaufen musst, sowie der Todstellmodus nur Sinn macht, wenn es zum Weglaufen zu spät ist und du nur noch durch Todstellen vermeiden kannst, dass ein Raubtier dich auffrisst. Der Gefahrenvermeidungsmodus ist nur dann sinnvoll, wenn es tatsächlich eine akute Gefahr für dein Überleben gibt. In allen anderen Situationen, wo du diese Negativmodi aktivierst, bringen sie erhebliche Nachteile und machen dich unglücklich.

Dem Emotionalgehirn geht es beim Einsatz der Negativmodi immer nur um die Erfüllung und Absicherung der sieben Grundmotive des Menschen. Alles andere interessiert es überhaupt nicht.

Diese sieben Grundmotive, von denen ich in meinen Büchern und den Glückstipps immer wieder schreibe, wurden vor einigen Jahren von uns mehr aus Zufall entdeckt. In den Jahren 2000 bis 2002 gehörte es zu unserem Glückskonzept, die persönlichen Probleme und Ziele unserer Teilnehmer neutral - also nicht suggestiv - zu hinterfragen. Wir stellten dabei fest, dass hinter jedem Problem ein noch elementareres Problem und hinter jedem Ziel ein noch höheres Ziel steckte.

Nach ca. drei Jahren und in etwa 3000 befragten Teilnehmern kristallisierte sich unmissverständlich heraus, dass alle genannten Probleme und Ziele immer wieder auf die gleichen sieben elementaren Zielsetzungen zurückführten. Die sieben Zielsetzungen, denen wir aufgrund ihrer elementaren Natur die Bezeichnung Grundmotive gaben.

Wir betrieben also in diesen drei Jahren Grundlagenforschung, ohne uns dessen tatsächlich bewusst zu sein. Wir legten auch keinen Wert darauf, wissenschaftlich anerkannt zu werden, denn wir wollten einfach nur ein funktionierendes Glückskonzept entwickeln. Daher wurde unsere Studie nicht nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt und auch nicht ausreichend dokumentiert. Ein paar Jahre später wäre es zwar schön gewesen, wissenschaftlich anerkannt zu werden, aber wir hatten einfach keine Lust dazu, den hohen Aufwand zu betreiben, der dazu notwendig gewesen wäre.

Rückblickend hätten wir es vielleicht doch tun sollen. So langsam tauchen nämlich immer mehr wissenschaftliche Studien auf, in denen unsere Grundmotive Stück für Stück entdeckt werden. Die jeweiligen Wissenschaftler sind mächtig stolz auf ihre Entdeckungen, obwohl ihre Erkenntnisse noch sehr oberflächlich sind.

Ich möchte zu gerne die Gesichter dieser Leute sehen, wenn sie ein Buch von mir in die Hand kriegen, in denen sie dann lesen können, dass wir diese Grundmotive sehr viel exakter und differenzierter vor mehr als fünf Jahren schon entdeckt haben! Und auch, wenn sie erfahren, dass wir unsere interne Studie mit mehr als 3000 Menschen durchgeführt haben! Solch gigantische Studien sind nämlich sehr selten in der Welt der Wissenschaft. Sie wären auch kaum bezahlbar. Die meisten Wissenschaftler sind froh, wenn sie für ihre Studien ein paar Duzend Probanden zusammen bekommen. Bei dieser geringen Anzahl sind die Ergebnisse jedoch noch sehr ungenau.

Aber zurück zu den sieben Grundmotiven! Die meisten Menschen verbringen den größten Teil des Tages in einem der vier genannten Negativmodi. Schauen wir uns einmal an, wie oft es im letzten Jahr aus der Sicht deines Emotionalgehirns tatsächlich einen Grund gab, einen dieser Modi zu aktivieren.

Was schätzt du? Wie häufig bestand im letzten Jahr eine ernsthafte Gefahr, dass du verhungern könntest?

Und wie häufig bestand die Gefahr, dass du erfrieren musst?

Und wie häufig wurdest du fast erschlagen oder von einem wilden Tier gefressen?

Wie häufig wurdest du tatsächlich deiner Freiheit beraubt – also entführt, eingesperrt, erpresst oder gewaltsam genötigt? Nur das interessiert dein Emotionalgehirn, wenn es um das Grundmotiv Freiheit geht. Es will Gefahren für

dein Überleben vermeiden. Es interessiert sich dabei nicht für die Zickereien eines anderen Menschen, die du fälschlicherweise auch als Einschränkung deiner Freiheit beurteilen könntest. Es geht ihm um die gewaltsame Beraubung deiner Freiheit. Wie häufig kam das also vor im letzten Jahr?

Dein Emotionalgehirn interessiert sich wie gesagt nur für Lebensgefahren. Das gilt auch für die beiden Grundmotive, Menschen zu finden, die zu dir passen und bei diesen Menschen erwünscht zu sein. Bei Herdentieren sind diese beiden Grundmotive überlebenswichtig. Werden sie aus dem Rudel ausgestoßen, haben sie alleine in der Wildnis kaum eine Überlebenschance. Der Mensch ist in seinem Ursprung ebenfalls ein Herdentier.

Wie viele Male wurdest du also fast aus der Gesellschaft ausgestoßen oder gewaltsam in die Wildnis verbannt? Wie oft bestand die tatsächliche Gefahr, dass du bis zum Ende deines Lebens ganz alleine ohne jegliche menschliche Kontakte leben musst?

Ich vermute sehr stark, dass deine Antworten ähnlich ausgefallen sind, wie die meiner Seminarteilnehmer. Deine Grundmotive waren im letzten Jahr kein einziges wirklich gefährdet!

Als mir das zum ersten Mal klar wurde, wurde mir regelrecht schlecht. Es gab in meinem gesamten Leben so gut wie nie eine Situation, die aus der Sicht meines Emotionalgehirns tatsächlich ein Problem darstellte! Das heißt, es gab kein einziges Mal einen echten Grund für einen Negativmodus! In all den Situationen, in denen ich mich schlecht gefühlt hatte, war ich tatsächlich völlig sinnlos in einem falschen Modus und musstest zusätzlich zu diesen unglücklichen Gefühlen auch noch die teilweise erheblichen negativen Konsequenzen dieser Negativmodi tragen.

99,99 Prozent aller schlechten Gefühle sind tatsächlich nur Missverständnisse seitens des Emotionalgehirns. Wir bringen es ständig mit Negativbeurteilungen völlig sinnlos dazu, etwas bekämpfen oder meiden zu wollen, was man weder bekämpfen noch meiden kann. Wir verarschen uns damit tatsächlich die ganze Zeit ständig selbst. Ich denke es ist an der Zeit, wirklich damit aufzuhören!

Zwei Dinge solltest du dir abgewöhnen, mit denen du dein Emotionalgehirn ständig in die Irre führst: Beurteile nie wieder etwas als Gefahr, was in Wirklichkeit gar keine Gefahr für deine Grundmotive und damit dein Überleben ist! Und beurteile nie etwas als schlecht, was aus der Sicht deines Emotionalgehirns gar nicht wirklich schlecht ist! Wenn du das schaffst, wirst du keine unsinnigen Negativmodi und damit auch keine unsinnigen schlechten Gefühle mehr erleben. Das bedeutet, du wirst dir 99,99 Prozent aller schlechten Gefühle sparen können. Stattdessen wirst du in all diesen Situationen glückliche Gefühle erleben.

Die Voraussetzung, um dies umsetzen zu können, besteht darin, dein Emotionalgehirn besser kennen und verstehen zu lernen. Einen anderen Weg gibt es nicht. Solange deine Beurteilungen falsch verstanden werden, wirst du falsche Modi aktivieren.

Das Positive Fühlen gibt uns eine starke Tendenz zur positiven Beurteilung und ist damit von unschätzbarem Wert, da es auf einfachste Art und Weise viele Missverständnisse vermeidet. Man kann damit mit sehr wenig Aufwand einen gewaltigen Sprung in Richtung Glück machen.

Will man jedoch mit der Selbstverarschung komplett aufhören und alle Missverständnisse zwischen Emotionalgehirn und Großhirn ausräumen, kommt man nicht daran vorbei, sein eigenes Gehirn besser kennen und verstehen zu lernen. 

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